Rechtsaußen Nigel Farage fordert Boris Johnson heraus mit seiner Ankündigung, in allen Wahlkreisen für einen knallharten Brexit einzutreten

Vor wenigen Tagen machte sich Boris Johnson über Nigel Farage noch lustig. „Ich werde ihn zurück in seine Büchse stecken“, erklärte der Premierminister. Hat er die Büchse Pandoras gemeint? Es könnte durchaus sein, denn der Premier, der an der Universität zu Oxford klassische Sprachen studierte, zieht die griechische Mythologie gerne heran. Manchmal verrät sie auch, was er wirklich denkt. Und man kann nachvollziehen, dass Johnson Farage als ein Fluch ansieht. Das letzte, was Johnson jetzt im Wahlkampf braucht, ist von Farage in Sachen Brexit rechts überholt zu werden.

Johnson bietet mit seinem Spruch „Bringen wir den Brexit zum Abschluss“ den Wählern seinen Deal als Lösung an. Damit will er allen, die das Wort „Brexit“ nicht mehr hören können, eine Chance geben, die unendliche Geschichte des Brexit ein für alle Mal zu beenden. Seine Kalkulation ist einfach. Vielen Wählern ist es egal, wie das Austrittsabkommen wirklich aussieht. Hauptsache man kann sich anderen Themen zuwenden

Nun attackierte Farage in einem BBC-Interview  Johnson heftig. Johnsons Deal  beende den Brexit keineswegs. Vielmehr würden die Briten jahrelang mit der EU über die künftigen politischen und wirtschaftlichen Beziehungen verhandeln und am Ende die EU-Standards aufrechterhalten müssen. Das, so Farage, sei nicht der Brexit, den er seit 30 Jahren fordere. „Das Land wird so nie unabhängig“, erklärte er.

Dass Farage mit seiner Brexit-Partei nun in 600 Wahlkreisen mit Johnsons Konservativen über den wahren Brexit streiten will, kommt dem Premierminister äußerst ungelegen. Er hatte sich darauf eingestellt, sich einerseits gegen die Liberaldemokraten, die Anti-Brexit-Partei, zu wehren. Er muss sogar damit rechnen, dass er einige Sitze in den Großstädten des Landes an die Liberalen wird abgeben müssen. Und die Labour-Partei von Jeremy Corbyn will er mit Versprechungen, Milliarden u.a. in das nationale Gesundheitssystem und das Bildungswesen zu investieren, die Themen und möglichst viele Sitze wegnehmen.

Eine Nachwahl, die vor einigen Monaten ganz im Zeichen der Brexit-Debatte stattfand, unterstreicht die Gefahr, die die Brexit-Partei für Johnson darstellt. In einem Wahlkreis, der von Labour gewonnen wurde, gewann die Brexit-Partei genügend Stimmen, um zu verhindern, dass die Konservativen siegten. Das Mehrheitswahlrecht machte es möglich.

Noch bürstet Johnson das Angebot eines Wahlbündnisses mit der Brexit-Partei beiseite. Dass die Brexit-Partei antritt, nütze „nur Jeremy Corbyn und Labour“, erklärte er. Farage solle lieber verzichten. Er glaubt, dass Brexit-Anhänger der Versuchung für die Brexit-Partei zu stimmen, widerstehen werden, da sie nur ein Thema habe, heißt es bei den Konservativen. Bei einer Unterhauswahl geht es aber um eine ganze Palette von Fragen. Zudem glauben die Tories, dass der Rechtsaußen der britischen Politik für viele mögliche Wähler nicht akzeptabel ist. Vor allem seine rassistischen Parolen beim Referendum im Jahre 2016 sind nicht vergessen. Zwar kamen diese bei Wählern mit niedrigem Bildungsstand gut an. Sie schreckten aber die gebildeten Schichten der Bevölkerung ab. Und diese Wähler muss Johnson in den Hochburgen der Konservativen für sich gewinnen.

Johnson hofft daher, dass Farage eher eine größere Bedrohung für die Labour-Partei ist. Farage, der 2015 die „Unabhängigkeitspartei“ (UKIP) ins Rennen schickte, kam damals wesentlich besser in den von Labour gehaltenen Sitzen im Norden des Landes an als in den Hochburgen der Konservativen.

Farage kontert und hat bereits seinen Verbündeten in Sachen Brexit,  den US-Präsidenten Donald Trump, instrumentalisiert. Trump fordert Johnson auf, mit Farage zusammenzuarbeiten. Das könnte allerdings kontraproduktiv sein, denn Donald Trump ist alles andere als populär im Vereinigten Königreich. Es könnte auch Johnson nützen, der sich gegen Behauptungen von Labour erwehren muss, er sei ein Schoßhund von Trump.

Die Konservativen führten in den Meinungsumfragen vor einer Woche deutlich. Aber der Wahlkampf gewinnt jetzt  an Fahrt. Inzwischen zeigen die jüngsten Meinungsumfragen, dass Johnsons Vorsprung  bröckelt.

Farage hat nun Johnson eine zweiwöchige Frist gesetzt. Entweder schließe Johnson ein Wahlbündnis mit der Brexit-Partei ab oder er, Farage, werde für einen „klaren Bruch“ mit der EU, auch ohne Deal sorgen. Farage kündigte sogar an, auf eine eigene Kandidatur für das Unterhaus zu verzichten, damit er sich voll und ganz in den Wahlkampf seiner Partei stürzen kann.

Es bleibt nun abzuwarten, wie lange Johnson noch über Nigel Farage Witze reißt.

 

Autor: Grahame Lucas

Journalist, Publizist

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